Früher Zappelphilipp heute ADHS



Besteht bei einem Kind die Vermutung, dass es an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leidet, so sollten auch Faktoren auf körperlicher, psychischer und lebensgeschichtlicher Ebene berücksichtigt werden werden.Vor einer Behandlung muss sichergestellt sein, dass es sich wirklich um ADHS handelt.
Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) beeinträchtigt nicht nur die mentalen Fähigkeiten der Betroffenen, sondern auch ihre Motorik. Davon sind Jungen stärker betroffen als Mädchen.
Diese Erkrankung äußert sich in den Kernsymptomen Hyperaktivität, Impulsivität und Konzentrationsstörungen. Die kleinen Patienten können nicht ruhig sitzen, laufen während des Unterrichts durch das Klassenzimmer und sind immer wieder in Raufereien mit ihren Klassenkameraden verstrickt. Dieses oppositionelle Verhalten führt unweigerlich zu schulischen Problemen und gar Schulverweise stehen bei vielen ADHS Patienten an der Tagesordnung.

Aber einzelne ADHS-typische Symptome können auch Zeichen anderer psychischer Störungen oder entwicklungsbedingter Auffälligkeiten sein. So können Konzentrationsschwierigkeiten auch bei Entwicklungsstörungen wie Lese- und Rechtschreibschwäche oder einer Rechenstörung auftreten, auffällige Unruhe kann im Jugendalter auf eine manische Störung zurückzuführen sein.
Organische Beschwerden wie beispielsweise schlechter Schlaf oder Störungen der Schilddrüsenfunktion müssen ausgeschlossen werden. Häusliche Gewalt oder Vernachlässigung sind ebenfalls als Ursache für Konzentrationsstörungen und Lernschwierigkeiten zu berücksichtigen. Eine genetische Vorbelastung durch die
Eltern, wenn sie selbst an ADHS leiden, liefert einen wichtigen Hinweis darauf, ob eine Erkrankung vorliegt.

Während sich die motorische Geschicklichkeit bei den Kindern ohne ADHS kontinuierlich mit dem Alter verbesserte, fanden die Untersucher bei Jungen mit ADHS Defizite, die während der gesamten Adoleszenz nachweisbar blieben. Mädchen mit ADHS entwickelten sich motorisch hingegen ähnlich wie ihre Altersgenossinnen ohne ADHS. Man nimmt daher an, dass der Weibliche Motorkortex früher reift.
Im Grundschulalter können Mädchen mit ADHS motorische Defizite bereits überwunden haben, weil das weibliche Gehirn früher reift als das männliche.
Bei Jugendlichen muss auch an eine Suchterkrankung oder psychotische Störung als mögliche Ursache von Verhaltensauffälligkeiten gedacht werden. Liegt eine ADHS vor, so richtet sich die Behandlung der betroffenen Kinder nach der Ausprägung der Symptome. Neben einer Beratung des Kindergartens beziehungsweise der Schule und der Eltern sind oftmals eine psychotherapeutische und auch eine medikamentöse Behandlung des
erkrankten Kindes notwendig. Störungen der Aufmerksamkeit gehen relativ häufig mit Angststörungen, Depressionen oder Tic-Störungen einher. Man schätzt, dass etwa 2-6 Prozent aller Kinder im schulpflichtigen Alter an ADHS leiden.

Wie kann man diesen Kindern und Jugendlichen helfen?
Hyperaktive und aufmerksamkeitsgestörte Menschen sollten mit einer Kombination aus unterschiedlichen Therapien behandelt werden, die sich vor allem aus vier Bereichen zusammensetzt: Aufklärungsarbeit, medikamentöse Therapie, Verhaltenstherapie, soziale und pädagogische Maßnahmen.

Außerdem ADHS ist bei jedem Menschen anders ausgeprägt,sodass und die Behandlung immer individuell erfolgen und zum Alter und der Persönlichkeit des ADHS-Patienten passen muss.

Medikamente sind nur dann nötig, wenn die Symptomatik sehr stark ausgeprägt ist und sich Konsequenzen aus den Verhaltensstörungen abzeichnen. Dies könnten massive Probleme in der Eltern-Kind-Beziehung, die drohende Umschulung in eine Sonderschule oder der Verlust der Lehrstelle sein. Vor dem Schulalter sollten Medikamente seltenen Ausnahmefällen vorbehalten bleiben.
Die meisten Medikamente, die bei ADHS eingesetzt werden beinhalten den Wirkstoff Methylphenidat. Die Medikamentennamen lauten: Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym. Ein weiteres Medikament, das bei ADHS eingesetzt wird ist Strattera. Es beinhaltet den Wirkstoff Atomoxetin.
Die elterliche Unterstützung bei der Therapie mit Medikamenten ist unbedingt notwendig, denn Sie sind die ersten, die mögliche Nebenwirkungen wie z. B. Gewichts- und Appetitverlust oder Schwierigkeiten beim Einschlafen beobachten.